Wohnungsmangel ist kein Großstadtphänomen

By 30. Juni 2020 Publikationen
wohnungsmangel kleinstadt

Bereits zum zweiten Mal hat bpd zusammen mit bulwiengesa eine deutschlandweite Analyse der Angebots- und Nachfragesituation auf den Wohnungsmärkten herausgegeben. Die Wohnwetterkarte 2020 zeigt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage für jede Kommune Deutschlands. Trifft eine hohe Nachfrage auf ein zu geringes Bauvolumen, so wird die Wohnwetterlage als überhitzt eingestuft, existiert ein Angebotsüberhang, so wird sie als kalt bewertet. Zwar wurde 2019 mit 293.000 Baufertigstellungen die höchste Zahl seit 20 Jahren erreicht, dennoch liegt diese unter der von der Politik ausgegeben Zielmarke von 380.000 Wohnungen pro Jahr. So wundert es nicht, dass sich in vielen Regionen die Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter zuspitzt.

Das Wohnungsangebot in den Umlandregionen verknappt sich

Dass in den deutschen Großstädten ein Mangel an Wohnungen existiert, ist hinlänglich bekannt. Der enorme Zuzug der vergangenen Jahre hat die Nachfrage stark steigen lassen. Trotz Ausweitung des Wohnungsangebots durch Intensivierung des Neubaus reicht die gestiegene Zahl der Baufertigstellungen jedoch nicht aus, um für Entspannung auf den urbanen Wohnungsmärkten zu sorgen. Die Folge sind Mietpreissteigerungen und eine zunehmende Wanderung in die Umlandregionen der Großstädte. Wie die Wohnwetterkarte 2020 veranschaulicht, wird mittlerweile auch dort das Angebot knapp und die Mieten ziehen an. Besonders in den Speckgürteln von Berlin, Hamburg und Stuttgart kann dieser Effekt aktuell beobachtet werden.

Gegensätzliche Entwicklung in Ostdeutschland

Ostdeutschland weist flächendeckend eine eher kalte Wohnwetterlage auf und beherbergt deutschlandweit auch die kältesten Regionen. Jedoch gibt es punktuell Städte und verkehrsgünstig gelegene Korridore, in denen sich die Wohnungsmarktsituation derzeit in Richtung Nachfrageüberhang verschiebt, so zum Beispiel im Großraum Eisenach-Erfurt-Jena, in weiten Teilen Brandenburgs sowie landschaftlich attraktiven Küstenregionen Mecklenburg-Vorpommerns. Daneben gibt es Städte, die bereits seit einiger Zeit einen überhitzten Wohnungsmarkt aufweisen. Dazu zählen Potsdam, Leipzig, Dresden, Rostock, Cottbus und Erfurt.

Abkühlung in strukturschwachen Regionen

Nicht nur Ostdeutschland weist kalte Regionen auf. Auch in Westdeutschland existieren Gebiete, die sich im Vergleich zu 2019 abgekühlt haben. Diese liegen in der Regel in strukturschwachen Regionen mit einer schlechten Verkehrsanbindung und großen räumlichen Distanz zu Ballungsräumen, wie die Nordseeküste, die Rhön, der Hunsrück und das nördliche Oberfranken. Auch im Ruhrgebiet außerhalb der warmen Städte Duisburg, Essen und Bochum haben sich die Wohnungsmärkte im Vergleich zum Vorjahr abgekühlt.