Sowohl Home als auch Office

By 8. Dezember 2020 Publikationen
homeoffice

Teil 3 aus der Serie:

Neue Arbeitswelten

Das Jahr 2020 stand aus Sicht der Büroimmobilie klar im Schatten des Homeoffice. Ganz gleich, wohin man schaut – überall wird diskutiert und verglichen, wie viel Arbeit von Zuhause möglich, nötig und erforderlich ist. Und bei Arbeitnehmern ebenso wie bei den Unternehmen schleicht sich ein Wettbewerb der Homeoffice-Regelungen ein. Schon rufen die einen das Zeitalter der bürofreien Arbeit aus. Doch so einfach ist es nicht. Die Zukunft ist nicht entweder oder, sondern hybrid:

Sowohl Home als auch Office

Multilokal – diesen Begriff sollte sich jeder einprägen, der mit zeitgemäßen und zukunftsfähigen Büroentwicklungen zu tun hat. Multilokal, das heißt: an vielen Orten, und bezogen auf die Immobilienwirtschaft bedeutet das, dass Mitarbeiter von vielen Gebäuden und Arbeitsplätzen aus arbeiten können. Mal sind sie am heimischen Schreibtisch, mal an einem mobilen Arbeitsplatz, da sie geschäftlich unterwegs sind, und mal am Unternehmensstandort. Um möglichst reibungslos von dem einen Arbeitsplatz zum anderen wechseln zu können, bedarf es dabei mehr als nur der passenden technischen Ausrüstung. Ein mobiler Computer, die nötigen Zugänge zu Unterlagen und Dokumenten, die problemlose Nutzung der unternehmensinternen Programme und Server auch außerhalb des Firmennetzwerks sind Grundvoraussetzungen, so viel ist klar.

Wichtig aber ist überdies, dass die Entscheidung, von wo aus man arbeitet, sich an den Bedürfnissen der anstehenden Aufgaben orientiert und nicht daran, ob der heimische oder der Büroarbeitsplatz bequemer ist. Diese Regel gilt aus beiden Perspektiven. Ein Arbeitnehmer, dessen Zuhause sich überhaupt nicht für Homeoffice eignet, wird nur ungern im Homeoffice sein – und wenn er es doch tut, dann werden Qualität, Effektivität oder Effizienz beeinträchtigt.

Umgekehrt gilt die gleiche Herausforderung. Wenn Arbeitnehmer das Büro meiden, weil es auf den Etagen darunter oder darüber seit Monaten Baulärm gibt und sie an konzentrierter Arbeit hindert, dann hat die Entscheidung für den heimischen Arbeitsplatz nicht etwa damit zu tun, dass das Homeoffice für die anfallenden Aufgaben besser geeignet ist, sondern dass die Arbeit im Büro unzumutbar ist. Auch dort ist keine Verbesserung der Arbeitsergebnisse und der Mitarbeiterzufriedenheit zu erwarten, im Gegenteil.

Bezogen auf multilokale Arbeitsplätze bedeutet dies, dass Homeoffice, Büro und mobiles Arbeiten äquivalent gestaltet sein müssen, und hierbei können kluge Bürokonzepte doppelt punkten. Zum einen wird immer deutlicher, dass sich die Büros zu Kommunikationsstandorten entwickeln. Unternehmen, die frühzeitig ihre Bedürfnisse gemeinsam mit den Projektentwicklern identifizieren und bei Planung und Bau berücksichtigen lassen, können davon profitieren, dass ihre Mitarbeiter das Büro für ihre Zwecke gern und zielgerichtet in Anspruch nehmen. Zum anderen aber führt die kluge und zielgerichtete Gestaltung des Büros dazu, dass ausdrückliche Regelungen zu Homeoffice und Präsenzarbeit von vornherein nicht notwendig sind. Denn wenn Mitarbeiter sich bei der Wahl des Arbeitsplatzes ausschließlich an dem Zweck der anstehenden Arbeit orientieren, dann gibt es auch kein Entweder-oder zwischen Homeoffice und Büro, sondern erfolgreiches multilokales Arbeiten.