Pflegeimmobilien – Aufstrebende Assetklasse oder Risikoinvestment?

By 29. Juli 2020 Publikationen
pflegeimmobilien

Seit der Bankenkrise 2009 hat sich der deutsche Immobilienmarkt zu einem sicheren Hafen für Investoren entwickelt. Niedrigzinsen und fehlende Anlagealternativen bewirkten, dass institutionelle Investoren ihre Immobilienquoten erhöhten und immer mehr Geld in die etablierten Assetklassen Wohnen, Büro und Einzelhandel flossen. Die Folge: sinkende Renditen. Wer eine hohe Verzinsung seines eingesetzten Kapitals anstrebt, muss ein höheres Risiko eingehen und in weniger etablierte Nischensegmente investieren, wie Serviced Apartments, Rechenzentren oder Pflegeimmobilien. Doch was gestern noch Nische war, kann morgen bereits etablierte Assetklasse sein. Ein Blick auf das Potenzial von Pflegeimmobilien verdeutlicht dies.

Zwei Trends bewirken, dass der Bedarf an Pflegeheimplätzen und betreutem Wohnen in den kommenden Jahren steigen wird. Zum einen steigt die die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland weiter an. Außerdem führt der demographische Wandel dazu, dass es immer mehr ältere Menschen geben wird. Laut Bundesamt für Statistik waren 2017 insgesamt 3,4 Mio. Menschen pflegebedürftig. Davon wurden gut drei Viertel (2,6 Mio.) zu Hause betreut, knapp ein Viertel (820.000) in voll- oder teilstationärer Pflege.

Im seinem Frühjahrsgutachten 2020 konstatiert der ZIA eine Unterversorgung mit Wohneinheiten im Bereich Betreutes Wohnen in 95 Prozent aller deutschen Gemeinden. Die Auslastungsquote der stationären Pflegeeinrichtungen liegt mit 86 Prozent am oberen Limit. Bis 2030 prognostiziert der ZIA einen Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen um 20 Prozent bzw. 680.000 Personen auf 4,1 Mio. Personen. Die zu erwartende Steigerung der Nachfrage rückte Pflegeimmobilien in den vergangenen Jahren nach und nach stärker in den Fokus von Investoren.

Im Unterschied zu Büros oder Wohnungen sind Pflegeimmobilien in der Regel Betreiberimmobilien. Daraus folgt, dass der wirtschaftliche Erfolg von Eigentümer und Betreiber gewissermaßen miteinander verknüpft sind. Aus diesem Grund ist branchenspezifische Expertise aufseiten des Eigentümers enorm wichtig, denn er muss die Stärken und Schwächen seiner Immobilie kennen, um eine erfolgreiche Bewirtschaftung ermöglichen zu können. Bereits die Standortwahl ist von entscheidender Bedeutung, da sich der Bedarf lokal stark unterscheidet. Zusätzlich müssen für jedes Bundesland rechtliche Vorgaben beachtet werden, die beispielsweise die Größe von Heimen beschränken oder Doppelzimmer verbieten.

Pflegeimmobilien sind eine aufstrebende Assetklasse. Das Marktfeld professionalisiert sich derzeit und steckt in einer Konsolidierungsphase. Das Investitionsvolumen steigt und es wurden in letzter Zeit immer mehr Spezialfonds mit dem Schwerpunkt Betreutes Wohnen aufgelegt, mit Renditen zwischen 3,5 und 4,5 Prozent. Investoren bieten diese Form der Spezialimmobilien lukrative Anlagechancen – wenn sie über das entsprechende Know-how verfügen.