Neue Bürowelten

By 16. Januar 2020 Publikationen

Das Ende des Zellenbüros?

Der Büroraum wird knapp und teuer. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Da wäre etwa das Zusammenspiel von geringer Verfügbarkeit und erhöhter Nachfrage. Das Beschäftigungswachstum führt bei steigenden Kosten notwendigerweise zur Arbeitsplatzverdichtung – in Berlin hat sich die Bürofläche pro Arbeitnehmer in den vergangenen 15 Jahren um 17 Prozent verkleinert: Gleichzeitig ändert sich die Arbeitswelt der Belegschaften, die stärker vernetzt und in flacheren Hierarchien interagierend tätig sind. Dies erfordert Veränderungen in der Arbeitsorganisation und der räumlichen Infrastruktur.

Laut einer Umfrage des Industrieverbands Büro- und Arbeitswelt (IBA) gaben 78 Prozent der Arbeitnehmer an, dass die Arbeitsplatzgestaltung ihre Produktivität direkt beeinflusst. Und einer Studie des Coworking-Anbieters Mindspace zufolge begründen denn auch immer mehr Arbeitnehmer einen Wechsel, Kündigung, oder nicht-Antritt einer Stelle damit, dass sie mit der Bürogestaltung und/oder -Ausstattung des Arbeitgebers unzufrieden waren. Dabei geht es um mehr als Teeküchen, oder eine Pflanze neben dem Schreibtisch. Die Gesamtheit der Innenarchitektur und räumlichen Gestaltung wird gefordert.

Denn auch ein klassisches Großraumbüro hat – als Alternative zur kleinräumigen Aufteilung –seine Tücken, man bedenke etwa den Lautstärkepegel eines Teammeetings neben dem Versuch konzentriert zu arbeiten. So wird die Aufgabe ein attraktives Umfeld und geringe Bürofläche unter ein Dach zu bringen für viele Unternehmen zunehmend zum Problem.

Reaktion auf den Arbeitsmarkt

Optimale Flächennutzung wird in einem angespannten Arbeitgeber-Umfeld also immer wichtiger. Unternehmen wie der französische Kosmetikhersteller L’Oréal oder die Deutsche Telekom haben ihre Konzernzentralen in den vergangenen Jahren umgebaut. Die Büroräume dort sind kommunikativer, gemeinschaftlicher. Den Zusammenhang zwischen ansprechender Arbeitsumgebung und Produktivität hat man sich dort zu Herzen genommen. Dabei reagieren diese Konzerne auch aus betriebswirtschaftlichen Motiven auf den Wunsch über mehr Aufenthaltsqualität: Der demographische Wandel macht sich im sog. „War of Talents“ (richtigerweise: „War for Talents“) bemerkbar. Die Herausforderung Fachkräfte zu finden und zu binden, hat unmittelbar zur Folge, dass die Wünsche der Belegschaft bei Unternehmen zunehmend Gehör finden.

Möglichkeiten eines Projektentwicklers

Patrick Herzog, Geschäftsführer der DKW Gruppe, sagt: „Die neuen Anforderungen eines modernen Büros müssen schon bei der Planung berücksichtigt werden. Es geht uns längst nicht mehr nur um Baumaterial und Energieeffizienz. Die Räume an sich müssen flexibel gestaltbar sein, die Mischung muss stimmen. Wir brauchen Räume für Team- und Einzelarbeit, für den Austausch, aber auch zur Erholung.“ Über die Rolle der Inneneinrichtung dabei schrieb die FAZ vor einigen Tagen einen Artikel. In „Sitzen ist das neue Rauchen“ griff sie das Thema Arbeitsgesundheit auf, um Gesundheit und Produktivität in Einklang zu bringen.

Flexibilität führt zum Ziel

Für Unternehmen wie Projektentwickler muss tatsächlich eine Balance gefunden werden zwischen den höheren Ansprüchen ihrer Belegschaft, und einer bezahlbaren Miete pro Quadratmeter, respektive Mitarbeiter. Flexible Modelle werden sich hier durchsetzen. Es gilt den Spagat zwischen der Notwendigkeit eines attraktiven Büros auf möglichst wenig Bürofläche zu halten. Arbeitsmodelle wie etwa Heimarbeit, oder das „outsourcen“ von autark arbeitenden Teams in nahegelegene Business- oder Coworking-Center ermöglichen hier einen gewissen Spielraum. Sie weisen darauf hin, dass längst nicht für jeden Mitarbeiter ganztägig ein fester Arbeitsplatz benötigt wird.