Mobilität integrieren

By 13. November 2020 Publikationen

Teil 1 aus der Serie:

Neue Arbeitswelten

Wo beginnt eigentlich das Büro – am heimischen Schreibtisch? Auf dem Weg zur Arbeit? Beim Betreten des Bürogebäudes oder tatsächlich erst am Arbeitsplatz? Büros verändern sich und ebenso unser Verständnis von integralen Arbeitswelten. Das Büro kann – muss aber nicht zwingend – das Homeoffice sein. Das Büro kann auch ein Sitzplatz in einem Zug oder in einer S-Bahn sein, genauso wie ein Auto dank Freisprechanlage zum mobilen Büro werden kann. Das Büro ist aber auch das Gebäude, in dem ein Unternehmen ansässig ist, ebenso wie der eigene feste Arbeitsplatz darin, sofern man denn noch einen hat.

Um uns den Herausforderungen des „neuen Büros“ zu nähern, starten wir heute mit einer Serie rund um das Thema Büro. Zunächst mit dem Schwerpunkt Mobilitätskonzepte.

Smarte Mobilität als Erfolgsfaktor

Smarte Mobilität ist ein integraler Faktor eines erfolgreichen Bürogebäudes. Daher gilt für Büroprojekte: Sie müssen Mobilitätskonzepte bereits bei der Entwicklung frühzeitig integrieren. Nachträglich lässt sich das in den seltensten Fällen bewerkstelligen.

Aber was bedeutet das genau – Mobilitätskonzepte in Bürogebäude integrieren? Zum einen gilt es zu prüfen, welche Verkehrsmittel genutzt und wie diese aufeinander abgestimmt werden können. Braucht es tatsächlich Pkw-Stellplätze für alle Mitarbeiter, oder benötigt man Car-Pools je Mietereinheit mit unterschiedlichen Anbietern von E-Automobilien, E-Scootern und E-Bikes? Und ist es mit einem solchen Angebot getan, oder sollte der Vermieter eines zeitgemäßen Büros nicht auch die Verwaltung und komplette Abrechnung jeglicher Mobilität rund um sein Gebäude übernehmen? Abgesehen davon, dass dadurch Mieter entlastet werden und sich auf ihre Kernkompetenzen, also ihre Geschäftsmodelle konzentrieren können, bieten solche Angebote nachhaltige Einnahmequellen und wirken zudem als Bindungsfaktoren für Mieter – gerade in Zeiten unsicherer Gewerbemietmärkte sind das nicht zu unterschätzende Qualitätsmerkmale, die bei Mietvertragsverlängerungen zum Tragen kommen.

Gleichzeitig endet Mobilität nicht bei motorisierten Angeboten. Bei innerstädtischen Büros werden klassische Fahrräder als Transportmittel mit Recht immer attraktiver, zumal sie auch steuerliche Förderung genießen. In der Vergangenheit fand man Fahrradständer häufig lieblos in der Ecke untergebracht, häufig nahe den Müllcontainern. Wirklich Freude bereitet das aber keinem Mitarbeiter, wenn sein Arbeitstag im Büro quasi neben den Mülltonnen beginnt und endet. Daher gilt für Büroentwicklungen: Fahrräder brauchen nicht Ständer irgendwo in der hintersten Ecke, sondern gute Abstellplätze in angemessener Zahl und mit ausreichend Wetterschutz.

Ein berühmtes Beispiel für ein gelungenes Mobilitätskonzept ist übrigens der Potsdamer Platz in Berlin. Dort wurde bereits während der ersten Planungen für die Gebäude, die oberhalb der Erde entstehen sollten, ein ausgeklügeltes unterirdisches Logistik- und Mobilitätskonzept mitentwickelt – bis hin zu eigenen Ein- und Ausfahrten, die in den Tiergartentunnel münden und so den oberirdischen Verkehr entlasten. Kurzum: Obwohl an den Potsdamer Platz täglich mehrere 100.000 Menschen ein- und auspendeln, gibt es kaum Zuliefer-Staus, die durch den Durchfahrtsverkehr gestört werden.

Was also im Großen funktionieren kann und notwendig ist, sollten Projektentwickler auch bei kleineren und mittelgroßen Büroentwicklungen berücksichtigen. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter, die täglich oder mehrfach die Woche ins Büro kommen, wird so deutlich gesteigert, was sich naturgemäß positiv auf die Arbeitsergebnisse auswirkt.