Institutionelle Investoren erwarten höhere Rendite durch nachhaltige Investments

By 18. August 2020 Publikationen
nachhaltige Investments

Mit der Taxonomie Verordnung hat die Europäische Union Ende 2019 einen konkreten Rahmen geschaffen für ein klimaverträglicheres Wirtschaften. Sie definiert darin Nachhaltigkeits-Anforderungen für ökonomische Aktivitäten und Investments. Ziel ist, die CO2-Emissioen in Europa bis 2050 auf null zu senken. Ab März 2021 muss dann dargelegt werden, inwieweit Investmentprodukte diese ESG-Kriterien, kurz für Environmental Social Governance, erfüllen. Ab Ende 2022 sollen Geldanlagen gekennzeichnet werden, die den ESG-Kriterien entgegenlaufen. Durch den Anforderungskatalog der EU wird Nachhaltigkeit damit zu einem wichtigen betriebswirtschaftlichen Faktor von Unternehmen und Nachhaltigkeit verkommt nicht, wie heute teils üblich, als Greenwashing-Label zu einem reinen Marketinginstrument.

Auswirkungen auf den Immobiliensektor

In der Immobilienbranche werden insbesondere die ökologischen und sozialen Kriterien in den Fokus von Anlegern, Asset Managern und Entwicklern rücken. Circa 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland werden durch Immobilien verursacht. Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden, zum Beispiel durch energetische Sanierungen, den Neubau von Niedrigenergiehäusern aber auch die Verwendung emissionsarmer Baustoffe, gelten somit als Schlüssel für das Erreichen der Pariser Klimaziel. Aber auch soziale Kriterien sollten nicht außer Acht gelassen werden. So ist bei Neubauprojekten beispielsweise darauf zu achten, dass es nicht zur Verdrängung angestammter Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Kiez kommt. Dies kann dadurch erfüllt werden, dass ein gewisser Anteil an Wohnraum mietpreisgedämpft angeboten wird. Außerdem müssen sich neue Quartiere in die Umgebung einfügen und auf die Bedürfnisse der bereits bestehenden Nachbarschaft eingehen. Durch die Planung zusätzlicher Nutzungen, wie Kitas oder öffentlich zugänglicher Plätze, kann dies umgesetzt werden.

Höhere Rendite für ESG-konforme Investments

Investoren befinden sich mehrheitlich noch in der Implementierungsphase ihrer ESG-Kriterien. Das ergibt eine Umfrage der Warburg-HIH Invest unter institutionelle Immobilienanleger. Demnach planen 55 Prozent der 101 Teilnehmer mittelfristig ESG-Kriterien einzuführen und zur Grundlage ihres Investitionshandels zu machen. Nur 13 Prozent wollen keine Nachhaltigkeitskriterien einführen. Anbieter nicht nachhaltiger Anlageprodukte dürften entsprechend mit einer sinkenden Investorennachfrage rechnen. Die Hälfte der institutionellen Anleger rechnet dagegen langfristig mit höheren Renditen bei ESG-konformen Investments.

Wie misst man Nachhaltigkeit?

Was ebenfalls aus der Umfrage hervorgeht, ist, dass bei vielen institutionellen Investoren noch Beratungsbedarf besteht, besonders in den Bereichen Reporting von ESG-Kriterien (25%) und Messung von Nachhaltigkeit in Immobilien und Portfolios (23%). Auch die Berechnung des CO2-Ausstoßes von Gebäuden oder ganzer Portfolios steht erst noch am Anfang. Zwar hat die RICS hierfür ein Messverfahren entwickelt, jedoch stehen häufig nicht alle benötigten Informationen zu Abrechnungseinheiten und Verbrauchsinformationen zur Verfügung. Außerdem existieren gravierende Unterschiede in der Messung von Verbrauchsdaten, die die Herstellung reproduzierbarer und vergleichbarer Ergebnisse erschweren.