Holzbau neu denken

By 27. Oktober 2020 Publikationen

Massiv- oder Holzbauweise? Die Antwort auf diese Frage fiel viele Jahre lang eindeutig zugunsten des Massivbaus aus. Die Belastbarkeit und Langlebigkeit von Häusern aus Stein machten für Bauherren, Finanzierer und Investoren die Entscheidung erdenklich leicht. Und in der Tat: Wer Häuser bauen möchte, die Jahrtausende überdauern sollen, für den ist Stein wahrscheinlich nach wie vor die erste Wahl, daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern.

Dennoch aber ist die Holzbauweise zunehmend auf dem Vormarsch und etabliert sich als kluge, nachhaltige und bezahlbare Alternative zur Massivbauweise. Denn mit Holz zu bauen, das ist günstiger als mit Stein und Beton – dank der geringeren Materialkosten ebenso wie aufgrund der Bauzeiten: Mit Holz lässt sich – nicht zuletzt aufgrund leichterer Vorfertigungsabläufe – deutlich schneller bauen, und Zeit ist auf der Baustelle ein kostspieliger Faktor, zumal die Baukosten in Deutschland in den vergangenen Jahren ehedem erheblich gestiegen sind.

Vor allem aber das Stichwort Nachhaltigkeit macht Holz derzeit besonders attraktiv. Denn da es sich bei Holz um einen natürlichen und nachwachsenden Rohstoff handelt, ist der ökologische Fußabdruck des Bauens mit Holz deutlich kleiner als bei konventionellen Bauweisen.

Diesen Trend belegen aktuelle Beispiele der Holzbauweise sowohl aus Deutschland als auch aus dem europäischen Ausland. Und längst kommt Holz nicht mehr nur für den Bau von Einfamilienhäusern zum Einsatz. In München etwa entsteht derzeit ein ganzes Stadtquartier in Holzbauweise mit beinahe 600 Wohneinheiten – die Einfamilienhäuser ebenso wie die Geschosswohnungen werden aus Holz errichtet. Frankreich geht noch einen Schritt weiter: Dort müssen ab dem Jahr 2022 mindestens 50 Prozent aller öffentlichen Gebäude in Holzbauweise errichtet werden.

Von solchen regulatorischen Vorgaben ist Deutschland derzeit noch weit entfernt, und doch wird eines klar: Holz hält endgültig Einzug in alle Assetklassen. Nicht mehr nur für ein kleineres Wohnhaus, sondern sowohl für großflächigen und mehrgeschossigen Wohnraum als auch für Gewerbebauten werden Entwickler in Zukunft zunehmend auf Holz als Material zurückgreifen. Dadurch werden nicht nur Kosten, Zeit und Material beim Bau gespart, es wird überdies auch dem allgemeinen Bedürfnis der Bevölkerung nach mehr nachhaltigen Bauweisen Rechnung getragen.