Die Zukunft gehört offenen Arbeitsräumen

By 18. Februar 2021 Publikationen
offenen Arbeitsräume

Die Entwicklung von Büroimmobilien steht vor einer neuen Umwälzung. Allseits ist bekannt, dass die Pandemie viele Entwicklungen im Gewerbesegment beschleunigt hat. Für Bürogebäude bedeutet das vor allem eines: Da sich inzwischen flächendeckend die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Homeoffice als Alternative zur Präsenzarbeit möglich ist, müssen Büros sich komplett neu positionieren. Für die Praxis des Arbeitsalltags heißt das: Früher fuhr man ins Büro, um zu arbeiten. In Zukunft wird man ins Büro fahren, um sich auszutauschen.

Für Projektentwickler und Investoren hat das ein doppeltes Umdenken bei der Gestaltung neuer Bürogebäude zur Folge. Ein klassisches Büro bestand bis vor Kurzem aus 30 Prozent Gemeinschaftsflächen und 70 Prozent Einzelarbeitsplätzen. Je nach Status des Mitarbeiters wuchs in der Vergangenheit auch die zugebilligte Bürofläche. Wohlverdiente Mitarbeiter durften sich über Einzelbüros freuen, Abteilungsleiter und die Geschäftsführung hatten Eckbüros zu beziehen. An diesen unternehmerischen Karriereleitern wurde lange nicht gerüttelt. Lounges und Gemeinschaftsflächen wurden nur ungern bereitgestellt, denn der dafür benötigte Raum stand im Wettbewerb mit den hart erarbeiteten Arbeitsplatzpfründen der älteren Generationen.

Damit ist es spätestens seit Corona vollends vorbei. Niemand ist willens, vom Zuhause ins Büro zu pendeln, um sich dann vor Ort wieder in einem geschlossenen Raum einzubunkern. Mehr noch: Das ist auch gar nicht nötig. Stillarbeit lässt sich heute mindestens ebenso effizient von Zuhause ausüben. Und wenn Familien endlich wieder tagsüber nicht noch parallel die Kinderbetreuung koordinieren müssen, dann werden die Vorzüge des Homeoffice erst recht spürbar.

Wenn also Büroarbeit, dann um sich auszutauschen, um Themen zu entwickeln, um sich gegenseitig Impulse zu geben und von der Expertise und den Meinungen der Kollegen zu profitieren. Das geht weder allein, noch sind dafür Videokonferenzen sachdienlich. Das Gespräch am Kaffeeautomaten, beim Lunch oder im Rahmen des gemeinsamen Projektlaunchs sind unbezahlbar für die weitere Entwicklung der Unternehmenskultur und die Ideenfindung. Dafür braucht man das Büro.

Für Entwickler und Investoren bedeutet das, dass sie ihre Planungen überdenken und den Fokus weg vom Büro als einer Ansammlung von Arbeitsplätzen hin zum Büro als Raum für Austausch legen müssen. Das Büro der nächsten Jahre besteht aus Meeting-Räumen, aus einer Mischung aus Mensa, Aufenthaltsbereich und Rekreationsflächen – mit der Folge, dass auch das Verhältnis zwischen Einzel- und Gemeinschaftsflächen sich mindestens umkehren wird. Standen früher 30 Prozent der Büroflächen als offene Meetingflächen zur Verfügung, wird in Zukunft der Standard mindestens bei 70 Prozent sein, womöglich sogar noch mehr. Projektentwickler, die diese Entwicklung frühzeitig einkalkulieren, werden bei der Vermietung im kommenden Zyklus deutlich mehr Nachfrage erfahren als Anbieter konventioneller Arbeitsräume.