Bestandshalter kaufen Entwickler, Entwickler bauen eigene Portfolios auf

By 31. März 2020 Publikationen
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Während das Gros der Marktteilnehmer rätselt, wie sich wohl die Coronavirus-Krise auf die Immobilienmärkte auswirken wird, setzen große Unternehmen nahezu unbeirrt ihre Wachstumsstrategie um. Beispielhaft ist die Deutsche Wohnen, die Ende März vom Münchner Unternehmen Isaria Wohnbau AG für rund 600 Millionen Euro eine Plattform für Projektentwicklung erwarb. Der Abschluss des Kaufs soll in diesem Jahr erfolgen. Die Hälfte der Projekte befinde sich in München, der Rest in Großstädten wie Hamburg, Stuttgart und Frankfurt. Dort sollen zusammen 2.700 Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen. Insgesamt will der Konzern in den kommenden Jahren mehr als drei Milliarden Euro in den Neubau von Wohn-, Pflege- und Büroimmobilien investieren.

Entwicklungen für das eigene Portfolio erlauben es Bestandshaltern und Investoren ein Stück unabhängiger vom Geschehen an den Transaktionsmärkten zu werden. In dem sie selbst bauen, haben die Unternehmen einen Teil ihres Portfolioaufbaus selbst in der Hand. Sie wissen, wo und in welchem Umfang sie in den kommenden Jahren wachsen werden und sind nicht mehr der zunehmend schwerer einzuschätzenden Entwicklung von Angebot und Nachfrage unterworfen.

Beflügelt wurde dieser Trend durch den Anlagedruck und den gleichzeitigen Angebotsmangel in der Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre. Beispielhaft ist der Portfolioaufbau der CA Immo aus Österreich, die aktuell über ein Immobilienvermögen von rund 4,7 Mrd. Euro in Deutschland, Österreich und Osteuropa verfügt. Nach der ZECH Group ist CA Immo aktuell der zweitgrößte Entwickler von Büroimmobilien in Deutschland. Analog zur Entwicklung von Wirtschaftskraft und Bürobeschäftigung ist das Unternehmen dabei vor allem in München, Frankfurt sowie in Berlin aktiv.

Nach Prognosen von bulwiengesa hat Berlin im Jahr 2022 voraussichtlich etwa 850.000 Bürobeschäftigte, was im Vergleich zu 2008 ein Anstieg um 42 Prozent bedeutet. Analog werden hier auch die Fertigstellungszahlen bei Büros von rund 260.000 Quadratmetern im Jahr 2018 auf etwa 520.000 Quadratmeter im Jahr 2022 anwachsen. Dabei werden fast die Hälfte der Büroflächen von Investoren für den eigenen Bestand entwickelt. In München sind mit 63 Prozent sogar zwei Drittel der Büroentwicklungen für den Aufbau eigener Portfolien vorgesehen.

So gesehen scheint es nur folgerichtig, wenn Investoren, die bislang noch keine Entwicklungskompetenzen haben, diese hinzukaufen und sich den Zugang zu attraktiven Märkten sichern.