Berliner für mehr Neubau abseits des Zentrums

By 16. April 2020 Publikationen
neubau berlin zentrum

Die Berliner sind beim Mietendeckel gespaltener Meinung und befürworten vor allem den Neubau von Wohnungen außerhalb des S-Bahnrings. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Sparkasse unter rund 1.000 Hauptstädtern zur aktuellen Stimmungslage auf dem Wohnungsmarkt hervor.

Mehr Neubau außerhalb des Zentrums

Beim Thema Neubau sprechen sich 50 Prozent der Berliner dafür aus, mehr Wohnraum außerhalb des S-Bahnrings zu bauen, 13 Prozent würden sogar den Schritt in das Berliner Umland nach Brandenburg wagen. Jene, die innerhalb des S-Bahnrings wohnen, sind jedoch dafür, auch dort vermehrt Wohnungen zu errichten. „Insgesamt spiegelt dies den Umzugstrend der vergangenen Jahre wider, in denen sich der Wanderungssaldo deutlich zugunsten Brandenburgs entwickelt hat. Besonders die vergleichsweise günstigen Preise für Wohneigentum bewegen viele Berliner dazu, ihren Wohnsitz an den Stadtrand oder ins Umland zu verlagern“, sagt Patrick Herzog, Geschäftsführer der DKW GRUPPE. Allein im dritten Quartal 2019 zog es knapp 10.000 ehemalige Berliner ins Nachbarbundesland.

Das Mittel der Wahl zur Schaffung von mehr Wohnraum sehen die Befragten mehrheitlich in der Schließung von Baulücken (58%), gefolgt vom Ausbau von Dachgeschossen (56%) und dem Errichten von Hochhäusern (38%). Beim letzten Punkt gehen die Meinungen zwischen den Altersgruppen jedoch deutlich auseinander. Während sich fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer zwischen 18 und 29 Jahren für den vermehrten Bau von Hochhäusern ausspricht, trifft dies bei über 50-Jährigen mit einem Drittel Zustimmung auf deutlich weniger Gegenliebe.

In Sachen Mitspracherecht bei neuen Projektentwicklungen scheint das Interesse langsam zu schwinden, gleichwohl ausgehend von einem hohen Niveau. 65 Prozent der Befragten sprachen sich demnach für mehr Mitbestimmung aus – 2018 lag der Wert noch bei 77 Prozent und damit zwölf Prozentpunkte höher als bei der aktuellen Umfrage.

Berlin bleibt Mieterstadt

Befragt nach ihrer Wohnsituation gaben 18 Prozent der Befragten an, im Eigentum zu leben, 82 Prozent wohnen zur Miete. Berlin bleibt also eine Mieterstadt. Jedoch hat sich die Eigentumsquote in den vergangenen Jahren gemäß Amt für Statistik Berlin-Brandenburg nicht unwesentlich erhöht von 13,9 Prozent im Jahr 2014 auf 16,2 Prozent im Jahr 2018. Darüber hinaus schwankt die Eigentumsquote je nach Altersgruppe deutlich. So beträgt sie bei den 18- bis 29-Jährigen zehn Prozent, bei den über 50-Jährigen immerhin 25 Prozent.

Geteilte Meinung beim Mietendeckel

Dem Mietendeckel stehen laut Befragung gut ein Drittel der Berlinerinnen und Berliner skeptisch gegenüber. Sie erwarten keine Vorteile durch die Einführung einer Mietobergrenze und befürchten eher ausbleibende Instandhaltungen und die Gefahr, dass Vermieter die entgangenen Einnahmen nachträglich durch Erhöhungen kompensieren werden. Insgesamt sind die Mieter doch nach wie vor recht verunsichert bezüglich des neuen Regulierungsinstruments. Knapp ein Drittel gibt an, die Auswirkungen nicht beurteilen zu können. „Das Ergebnis der Befragung zeigt, dass sich die von den Experten prognostizierte Rechtsunsicherheit des Mietendeckels auf die Stimmungslage der Mieterinnen und Mieter durchschlägt“, sagt Patrick Herzog.