Berlin erreicht Höchststände beim Transaktionsvolumen

By 28. Februar 2020 März 11th, 2020 Publikationen

Der vor kurzem in Kraft getretene Mietendeckel hat sich bereits im zweiten Halbjahr 2019 auf die Kauflaune potenzieller Investoren ausgewirkt. Während institutionelle Anleger um Wohnimmobilien in der Hauptstadt wegen der geringen Mietobergrenzen für Bestandsimmobilien zunehmend einen Bogen machen, investieren sie umso stärker in Büroimmobilien. Denn für die gibt es bis dato keinen Mietendeckel.

Laut einem Bericht des Gutachterausschuss für Grundstückswerte vom 24. Februar, ist die Anzahl der Immobilien-Kauffälle in der Hauptstadt 2019 insgesamt um minus drei Prozent auf 26.523 leicht gesunken. Dabei wurden deutlich weniger Mietwohnhäuser verkauft (-15 Prozent auf 476) als noch im Vorjahr 2018. Auch der Verkauf von Wohn- und Geschäftshäusern verringerte sich um 13 Prozent auf 887 Gebäude. Vor allem im Bürobereich sowie im Teilsegment der gewerblich nutzbaren Grundstücke sei dagegen ein deutlicher Anstieg des Transaktionsgeschehens beobachtbar.

Die Ergebnisse des Gutachterausschusses decken sich im Wesentlichen mit den Erkenntnissen der großen Maklerhäuser. So veröffentlichte Colliers ebenfalls am 24.02. einen Bericht nach dem das Transaktionsvolumen für Gewerbeimmobilien in Berlin im vergangenen Jahr um 75 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro gestiegen ist. Selbst das bisherige Rekordjahr 2015 konnte damit um 50 Prozent übertroffen werden. Das enorme Wachstum sei hauptsächlich auf Bürotransaktionen zurückzuführen. 80 Prozent des Investmentvolumens entfallen auf diese Anlageklasse.

Zu dem Rekord-Ergebnis haben einige Top-Deals beigetragen: Darunter der Verkauf des ehemaligen Ku‘damm-Karrees, das aktuell komplett umgebaut wird und nunmehr unter dem Namen „Fürst“ firmiert (850 Millionen Euro). Auf Platz zwei der Top-Deals folgt das Büro-Hochhaus-Projekt an der Warschauer Brücke „Edge East Side Berlin“ (625 Millionen Euro), sowie das ebenfalls in der Friedrichshainer Mediaspree gelegene Bürohochhaus-Projekt „Stream“ (500 Millionen Euro).

Auch der Berliner Bürovermietungsmarkt hat sich laut Colliers Ende 2019 in einem „Ausnahmezustand“ befunden. „Hier wurden 1,0 Millionen Quadratmeter neue Büroflächen vermietet, „ein Ergebnis, das es bisher noch nie gab“. Büromieten erreichen in der Spitze knapp 40 Euro je Quadratmeter. Die Durchschnittsmiete habe binnen Jahresfrist um mehr als 20 Prozent zugelegt, heißt es im Colliers-Marktbericht. Aktuell werden im Durchschnitt 26,30 Euro je Quadratmeter verlangt. Für das Jahr 2020 rechnet Colliers mit einem weiteren Mietenanstieg auf in der Spitze bis zu 43,90 Euro und im Durchschnitt auf 28,90 Euro.

Für hohe Dynamik bei der Mietentwicklung sorgt nicht nur der geringe Leerstand von 1,2 Prozent, sondern auch der Fachkräftemangel. „Weil Prestige und Wohlfühlfaktoren im Büro für die Mitarbeiter immer wichtiger werden, ist die Qualität und der Standort der Betriebsstätten zu einem maßgeblichen Faktor für den Unternehmenserfolg geworden“, sagt Patrick Herzog-Smethurst, Geschäftsführer der DKW Gruppe. „Zugleich verliert die Miethöhe in einigen Branchen als Kostenfaktor an Gewicht.“ Das zeige sich unter anderem darin, dass Vermietungsmanager immer häufiger mit den Führungskräften aus den Personalabteilungen und weniger mit dem Controlling über Vertrag und Gebäudeausstattungen verhandeln würden.