Leipzig

By 25. Februar 2019 Mai 15th, 2019 Immobilienglossar
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Warum Leipzig teilweise schon überteuert ist

Seit der Jahrtausendwende erlebte die größte Stadt in Sachsen einen beispiellosen Boom. Ihre Einwohnerzahl wuchs um mehr als 20 Prozent, die grauen Fassaden wurden Stück für Stück saniert und die Immobilienwerte stiegen unaufhaltsam. Die Mieten in der Stadt können nicht mehr mit dieser Entwicklung Schritt halten, obwohl ein Nachfrageengpass vorherrscht.

Leipzig war schon zu DDR-Zeiten als Messemetropole des Landes kosmopolitischer Leuchtturm im „Arbeiter- und Bauernstaat“ und damit etwas Besonderes. Doch gleichzeitig schrumpfte die Stadt kontinuierlich. Auch die Wiedervereinigung brachte zunächst keine Besserung, bis zum Jahr 1998 fiel die Einwohnerzahl auf 437.000. Im Jahr 2002 erreichte die Leerstandsquote ihr Maximum – mehr als 20 Prozent ungenutzte Wohnungen.

Doch dann begann sich plötzlich alles zu wandeln. Der Platz in Hinterhöfen und verlassenen Industriehallen lockte neben den niedrigen Mieten Künstler und Kreative aus dem ganzen Land an. Leipzig galt nicht wenigen als die bessere Alternative zu Berlin. Die Stadt wuchs und wuchs, 2005 wurde die halbe Million erreicht. 13 Jahre später hat Leipzig wieder fast 600.000 Einwohner.

Der Boom hat nicht nur positive Folgen

Mit dem Bevölkerungszulauf kam mehr Kapital in die Stadt. In Leipzig in Immobilien zu investieren, war ein sicheres Geschäft. Straßenzug um Straßenzug wurden die Gründerzeitgebäude saniert und Baulücken verschwanden. Dank kontinuierlichem Zuzug waren Wohnungen begehrt, und mit der Stadt wuchsen auch die Werte der Bestandsimmobilien . Wer im Jahr 2000 gekauft hat, kann heutzutage mancherorts fast das Doppelte des ursprünglichen Preises erlösen.

Doch durch die rasante Entwicklung der vergangenen Jahre haben die Kaufpreise mittlerweile ein Niveau erreicht, das Vorsicht gebietet. Denn die Mieten in der Stadt können nicht mehr mit dieser Entwicklung Schritt halten. Während die Preise bereits in die Top 10 der deutschen Großstädte vorgestoßen sind, liegt die Kaufkraft der Leipziger noch immer deutlich unter den Ballungsräumen in den alten Bundesländern. Es besteht folglich das Risiko, dass ein erheblicher Teil der Angebote am Markt bereits überteuert ist.

Gute Deals nur mit gutem Gespür zu finden

Die Gewissheit, dass sich ein Immobilien-Investment in Leipzig lohnt, ist also nicht mehr gegeben. Das ein oder andere Schnäppchen in guter Lage und mit hervorragenden Aussichten auf einen Wertzuwachs lässt sich noch finden, wahre Goldgruben werden aber immer seltener. Zusätzlich befeuert wird diese Situation durch Grundstücksspekulation, wenn Investoren Grundstücke nicht bebauen, um damit die Wohnungsnachfrage hochzuhalten.

Weitere Risiken ergeben sich aus der politischen Situation, denn wie in anderen Städten haben sich die Mieten in Leipzig in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Obwohl diese Entwicklung hinter den Kaufpreissteigerungen zurückbleibt, sind bereits Maßnahmen ergriffen worden, um sie künstlich zu begrenzen. So wurde Anfang 2018 die sogenannte Kappungsgrenze von der Stadtverwaltung gesenkt. Die Mieten dürfen nun innerhalb von drei Jahren nicht mehr um 20 Prozent bis zum ortsüblichen Niveau angehoben werden, sondern um nur noch 15 Prozent. Fünf Prozent, die in mancher Investorenrechnung schmerzlich fehlen.