B – wie Bestandsbau

Was beim Kauf oder Verkauf zu beachten ist

Bestandsimmobilien unterscheiden sich hinsichtlich des Baustils, der Technik und des Wertes unter Umständen sehr deutlich voneinander. Eine genaue Prüfung ist deshalb in der Regel unerlässlich.

Große Unterschiede zum Neubau

Bestandsimmobilien können verlockend sein. Hohe Decken, zweiflügelige Türen und Stuckdecken machen den Reiz vieler Gründerzeit- und Jugendstilgebäude aus. Doch Bestandsbau ist nicht Bestandsbau, weshalb Interessenten sich genau über das Objekt informieren sollten. Denn im Vergleich zu einem Neubau und je nach Bautyp oder Alter sind viele Besonderheiten zu beachten – ein repräsentatives Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert hat selbstverständlich andere Eigenschaften als ein Plattenbau aus dem 20. Jahrhundert.

Die Liste der Fragen, die man sich bei einem Bestandsobjekt stellen muss, ist lang und reicht von Fragen um den Energieausweis bis hin zum Wasserzähler: Ist das Haus ausreichend gedämmt? Existiert ein Aufzug? Für welche Um- oder Ausbauten wird eine Baugenehmigung benötigt? Diese und ähnliche Fragen werden Laien nur unzureichend beantworten können. Sie sollten deshalb vor einer Kaufentscheidung einen Experten zu Rate ziehen.

Günstige Preise können ein Risiko bergen

Helfen können Architekten oder Baugutachter insbesondere bei der Bewertung eines Bestandsobjekts, denn bei allzu günstigen Angeboten ist Vorsicht geboten. Zusätzlich zum Kaufpreis sind die nötigen Sanierungs- und Instandhaltungskosten einzubeziehen, die je nach Zustand stark variieren können. Zum Teil greifen auch Modernisierungspflichten. Eigentümer müssen beispielsweise dafür sorgen, dass gesetzliche Vorgaben zum Brandschutz oder zur Energieeffizienz eingehalten werden. Eine Bestandsimmobilie in schlechtem Zustand kann folglich zur Kostenfalle werden, wenn man sich vor dem Kauf hinsichtlich zusätzlicher Investitionen verschätzt.

Vorteile: Lage und Architektur – Nachteil: Denkmalschutz

Doch Bestandsbauten zeichnen sich oft auch durch handfeste Vorteile aus. So befinden sich viele Altbauten – also Gebäude, die etwa bis 1950 entstanden – heute in begehrten Lagen, während jüngere Bauten der letzten 40 bis 50 Jahre häufiger in Randlagen entstanden sind. Auch aktuelle Neubauten mit schönen Gärten und altem Baumbestand finden sich nur sehr selten – entscheidend ist also, worauf man als Käufer Wert legt.

Dies gilt umso mehr bei Baudenkmälern. Spätestens, wenn umfangreiche Umbauten geplant sind, können zusätzliche Hindernisse entstehen. Denn denkmalgeschützte Bestandsgebäude zu sanieren bedeutet, dass der Eigentümer Auflagen von der Fassadenfarbe bis hin zum Stil der Fenster durch die zuständige Behörde zu akzeptieren hat – und das kann sowohl die Länge der Planungsphase als auch die Baukosten schnell in die Höhe treiben.

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