Investoren konzentrieren sich bei Wohnportfolios vor allem auf A-Städte wie Berlin, München und Düsseldorf. Sie stehen für Wertbeständigkeit, doch gerade dort sinken wegen fehlender Neubauten die Renditen. Hingegen holen einzelne B-Städte nun auf.

Gerade das sich positiv entwickelnde Leipzig ist dafür ein gutes Beispiel. Gilt dort die gleiche Renditechance wie in einer A-Stadt – oder ist sie sogar höher? Ein differenzierter Vergleich lohnt.

Zunächst ist es wichtig, den Begriff B-Stadt genauer einzugrenzen. Einer eng gefassten Definition des Analysehauses Bulwiengesa zufolge ist nicht jede Großstadt zwischen 250.000 Einwohnern und 600.000 automatisch eine B-Stadt. Das Institut wertet vielmehr danach, ob es sich um eine „Großstadt mit nationaler und regionaler Bedeutung“ handelt und kommt insofern nur auf 14 B-Städte.

Unter den ostdeutschen Städten dabei sind Dresden und Leipzig. Allein sie schaffen es in die B-Liste neben westdeutschen Städten wie etwa Bremen, Dortmund, Hannover und Münster.

Die thüringische Landeshauptstadt Erfurt rutscht beispielsweise bereits in die Kategorie „C-Stadt“ („eingeschränkte nationale Bedeutung), Cottbus und Frankfurt an der Oder fungieren sogar nur noch als D-Stadt („zentrale Funktion nur für ihr direktes Umland“). 
Mancher Investor, der hauptsächlich in ostdeutschen Bundesländern marktaktiv ist, hegt daher Zweifel an solch einer stark trennenden Eingruppierung. Sie sehen in den als „D-Städten“ bezeichneten Zentren wie Cottbus sowie der Universitätsstadt Jena deutlich mehr Marktpotenzial, als es etwa in Hildesheim (Niedersachsen) vorhanden wäre. Eine nach „ABC“ sortierte Gruppierung ist daher allein nicht ausreichend.

Es ist daher sinnvoll, weitere Marktanalysten hinzuzuziehen. Konkrete Marktchancen zeigt etwa das Rendite-Ranking von Dr. Lübke & Kelber auf. Es werden Potenziale ermittelt, die im Idealfall bei mehr als drei Prozent Rendite pro Jahr liegen können, in keinem Fall aber Renditen von 1,5 Prozent unterschreiten. Unter den Top Ten der B-Städte werden in Zusammenhang mit Neubauten Leipzig und Dresden aufgeführt. Sie sind „attraktive Investitionsstandorte mit besonders günstigem Risiko-Rendite-Verhältnis,“ heißt es.

„B-Städte haben beachtliche Potenziale, die viele Investoren bislang ungenutzt lassen“, sagt auch Michael Voigtländer, Volkswirt und Leiter des Bereichs Immobilienökonomik beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Letztlich wird ein größerer Investor auf die Mischung seines Portfolios achten wollen und eine A-Stadt nicht außer Acht lassen. Für eine gelungene ABBA-Strategie bietet Berlin weiterhin hohes Potenzial. Und wer weiß: In wenigen Jahren könnte etwa Leipzig schon als achte A-Stadt hinzukommen. Immerhin verfügt die sächsische Metropole mittlerweile über eine Exportquote von 50,4 Prozent.

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