Es ist in jüngster Zeit viel über den Denkmalschutz in unseren Städten zu lesen. Die Menschen sehen es zumeist positiv, wenn Kulturgüter erhalten bleiben und nicht der Abrissbirne zum Opfer fallen. Häufig geht es dabei um Häuser aus der Gründerzeit. Deren Fassaden prägen oft ganze Stadtviertel, wie etwa in Leipzig. Dort den Bestand zu erhalten, ist naheliegend.

Mehr als 42 Millionen Euro wurden in den zurückliegenden 25 Jahren in die Sanierung von Teilen der Leipziger Altstadt investiert. Die Mittel kamen von Bund und Land. Ziel dieser Fördermaßnahme war die Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes zweier Gründerzeitviertel rund um den Waldplatz und die Bachstraße. Unter anderem wurde mit Unterstützung der Immobilienwirtschaft eine Beton-Hochgarage eines alten Hotels zu einem barrierefreien Apartmenthaus mit über 100 Wohnungen umgebaut. Mehr Wohnraum in Städten? – Das klingt gut.

Leider läuft die Denkmalförderung für Leipzig zu Ende 2017 aus. Eine Erweiterung der Maßnahmen auf umliegende Viertel ist gegenwärtig nicht geplant. Bedauerlicherweise kommen damit zunächst privatwirtschaftliche Investitionen nicht weiter zum Zuge. Leipzig bleibt aber in Sachen Stadtumbau ein positives Beispiel.

Ein anderes Verständnis vom Begriff Kulturgut scheint in Berlin vorzuherrschen. Dort werden in sogenannten Milieuschutzgebieten immer häufiger teils oft unansehnliche Plattenbauten aus den 1950er- und 1960er-Jahren unter Denkmalschutz gestellt. Gebäude dürfen in solchen Fällen nicht entkernt werden, die Fassade wird als „erhaltungswürdig“ eingestuft. Ein Umbau zu großzügigen Wohnungen mit der Option zu privatisieren, wird damit kategorisch ausgeschlossen. Dabei gäbe es gerade in Berlin erfahrene Projektentwickler. Sie haben die Expertise, die Struktur einer Fassade zu erhalten und sie optisch und energetisch deutlich zu verbessern. Doch es scheint politisch gesehen kein Interesse vorhanden zu sein, ein schöneres Stadtbild zu produzieren. Stattdessen wird lieber überreguliert.

Wie etwa im Nikolaiviertel in bester Spreelage. Die Plattenbauten sind gerade einmal 30 Jahre alt. Sie sollen nun „vor baulichen Veränderungen“ geschützt werden, heißt es beim Senat. Ein Investor würde dort gerne neben der Modernisierung von Wohnungen auch Geschäftsräume und Flächen für Restaurants ebenerdig entwickeln. Die Maßnahmen stocken, das zuständige Bauamt prüft seit geraumer Zeit ein Bauverbot wegen Denkmalschutz. Das Vorhaben liegt auf Eis. Klugen Beobachtern fällt auf: Es geht längst nicht mehr um Denkmalschutz. Es geht um das fragwürdige Image einer rot-rot-grünen Landesregierung, die letztlich erreichen will, dass alles so bleiben soll, wie es einmal war. Solch ein Anti-Bauprogramm wird niemand in einer sich ständig verändernden Metropole wie Berlin langfristig durchhalten können, noch zudem unter dem vermeintlichen Deckmantel des Denkmalschutzes. Bis sich die politische Blockade auflöst, schadet es der Wirtschaft und den Bewohnern Berlins, die an einer Weiterentwicklung eines lebendigen Quartiers interessiert sind – etwa so wie in Leipzig.

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