Sind alle Grundstücke in einer attraktiven Stadt bereits komplett vergeben? Das hört sich manchmal so an, wenn Politiker vom Wohnraummangel sprechen. Doch zumindest im Bestand vieler deutscher Metropolen gibt es noch ausreichend Bauflächen. Oft auch auf den nur zum Teil bebauten Flächen selbst. Wer sie beim Begehen einer Stadt von der Straße aus nicht findet, sollte einmal mithilfe einer Luftaufnahme von oben schauen. Denn wer Potenziale heben will, muss in der zweiten Reihe suchen.

Deutsche Ballungsgebiete sind nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg neu aufgebaut worden. Während dabei wesentliche Straßenzüge erhalten blieben, wurden die Häuser oft ausschließlich entlang der Straße gebaut. Das war auch praktischer, denn das Baumaterial konnte direkt an der Straße abgeladen werden; die Nachfrage nach schnell hochgezogenen Häusern war entsprechend hoch. Auf diese Weise wurde viel Platz verschenkt. Sei es auf den Flächen, wo vormals Seitenflügel waren oder ein Hinterhaus stand. Sie dienten dann häufig als Autostellplatz, Müllplatz oder Mietergarten.

Nun wird sich mancher denken, dass doch Bauherren oder zumindest die jeweilige Stadtverwaltung die Informationen über noch freie Grundstücke zur Verfügung hätten, doch das ist weit gefehlt. Investoren bekommen oft erst dann einen detaillierten Einblick, wenn sie für ein unbebautes oder bebautes Grundstück ein Angebot abgeben.

Noch überraschter wird mancher über diese Nachricht sein: Bis heute hat die Stadt kein zentrales stadtweites Kataster. Die einzelnen Informationen über Baulücken und freie Grundstücke gelangen auf unterschiedlichem Weg zu den Ämtern, und das nicht einmal verpflichtend. Berlin bietet lediglich ein Portal an, auf dem sich Grundstückseigentümer auf Eigeninitiative hin anmelden können. Doch das reicht nicht aus. Klüger wäre es, einem Vorschlag etwa der Berliner FDP zu folgen. Sie fordert von der Stadt ein zentrales Kataster, welches systematisch alle Baulücken erfasst, deren Eigentümer auf Anfrage benennt oder sie verpflichtet, die Daten preiszugeben. Eine solche Erfassung existiert bereits in Städten wie Frankfurt/Oder und in Gummersbach. Hoffentlich bald auch in Berlin sowie weiteren Großstädten. Nur dann lässt sich weiteres Bauland auch für Baulücken ausschreiben.

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