Zunächst klingt es wie eine gute Nachricht: In Berlin sind in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres fünf Prozent mehr Wohnungen genehmigt worden. Nur ein geringer Teil davon wurde für Bestandsbauten genehmigt, das Gros der 15.600 Einheiten betrifft Neubauten. Doch die Nachricht verliert an Wert, wenn wir berücksichtigen, dass jedes Jahr Menschen zu Tausenden neu in die Stadt kommen. Dann reicht ein Wachstum von fünf Prozent nicht mehr aus.

Die geringe Steigerung der Baugenehmigungen steht der Zahl 50.000 gegenüber: So viele Menschen kommen derzeit jedes Jahr neu in die Stadt. Mindestens 20.000 Wohnungen müssten jedes Jahr fertiggestellt werden. 2016 waren es gerade einmal 14.000. Das Problem sieht – und das ist neu – sogar der Bausenat von Berlin so. Er spricht neuerdings von „Wachstumsschmerzen“.

Es klingt geradezu, als wäre es eine Krankheit, die nicht zu bekämpfen sei. Von Aufbruchsstimmung beim Wohnungsbau keine Spur. Ist das in anderen Großstädten genauso? Beispielsweise in Hamburg hat sich nach einem Bündnis aus Wirtschaft, Politik, die Zahl der Neubauten deutlich gesteigert. Wartezeiten auf Baugenehmigungen wurden halbiert. In Berlin ist davon bisher nichts zu spüren. Stattdessen werden immer mehr Milieuschutzgebiete in zentralen Lagen errichtet, die Umbauten und Neubauten dort quasi unmöglich machen. Dabei bekommt Berlin vom Bund für den Wohnungsbau sogar Fördergelder, die den Wohnungsbau für alle Bürger ankurbeln könnte. 211 Millionen Euro waren es 2017. Allerdings wurde das Geld fast ausschließlich im sozialen Mietwohnungsbau am Stadtrand eingesetzt.

Sachsen fördert nicht nur Sozialbauten

Ganz anders läuft es in Sachsen. Dort erhält das Land für Städte wie Leipzig und Dresden pro Jahr insgesamt 90 Millionen Euro an Fördermitteln. Das ist deutlich weniger als in Berlin. Es ist dennoch interessant, wie es verteilt wird. Sachsen setzte die Einkommensgrenze pro Haushalt auf ein Jahreseinkommen von 100.000 Euro hoch. Ein neuer Effekt stellte sich ein: Nur 30 Prozent der Wohnungskäufer und Eigenheimbauer aus der unteren Einkommensgruppe nutzten das Fördergeld, 70 Prozent stammten aus der mittleren und gehobenen Gruppe. Während Sachsen den privaten Wohnungsbau ankurbelt, wartet man in Berlin weiter vergeblich auf eine Wohnungsbauinitiative. Es ist unabdingbar, dass die Hauptstadt endlich eine Lösung für mehr Wohnraum entwickelt, das auch Berliner beim Eigentumserwerb fördert.

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